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Miriam Eisenstadt mehr |
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Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben - Seite 225 und 259 - Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart "Die erfolgreichste, die populärste Figur des Musiklebens im
Getto war eine ganz junge schwarzhaarige Frau mit mädchenhafter Anmut,
eine Sopranistin, die vor dem Krieg noch niemand kannte: Marysia
Ajzensztadt, gerade zwanzig Jahre alt. Die schöne und reizvolle Sängerin
debütierte mit Arien von Gluck und Mozart, mit Liedern von Schumann und
Brahms. Um ihren Unterhalt zu verdienen, trat sie sehr bald auch in einem
Café auf (in den Kaffeehäusern gab es keinen Kaffee, aber in manchen
musikalische Darbietungen), wo sie Johann Strauß sang und Franz Lehár.
Das Publikum in den täglich überfüllten Café war begeistert - und die
Kritik ebenfalls. Kritik? In der Tat: Die von den deutschen Behörden
genehmigte, im Warschauer Getto in polnischer Sprache zweimal wöchentlich
erscheinende Zeitung "Gazeta Zydowska" veröffentlichte auch
Konzertrezensionen. Der Kritiker Viktor Hart, bewunderte Marysia
Ajzensztadt. Ihr Gesang, schrieb er - "zeugt von höchster Kunst, von
Maß und Einfachheit, sie hat es in kürzester Zeit zu wahrer
Meisterschaft gebracht". Wer war dieser enthusiastische Viktor Hart?
Wenn heute sein Name in Zeitgeschichtlichen Büchern auftaucht, dann steht
in Klammern ein Fragezeichen oder es heißt: "nicht ermittelt".
Doch zwischen uns sei Wahrheit: Ich war es." |
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