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Nizza
Thobis CD |
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Prof. Dr. Hedda J. Herwig
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Schon
in einem Interview, das Martina Weibel mit Woran denkt man, wenn man das Wort Koffer zu hören bekommt? Auf trivialer Ebene denkt man ans Verreisen, an den Koffer als Gepäckstück, der das Nötigste enthält, das man braucht, wenn man in der Fremde, wenn man nicht zu Hause ist. Der Koffer ist in diesem Sinne nichts Besonderes, aber er ist wichtig, und der Gedanke liegt nahe, dass er verloren gehen könnte. Das wäre höchst unerfreulich, man stünde in der Fremde wie ein Bettler da. Ein Koffer, der auf der Rückreise verloren ginge, wäre auch ein Pech: Wahrscheinlich enthielt er wertgeschätzte Erinnerungsstücke an die Reise, deren Verlust schmerzhaft ist, wollte man sich doch damit Erlebnisse greifbar versinnbildlicht bewahren, die das Herz höher schlagen ließen. Unter letzterem Gesichtspunkt wird verständlich, dass Koffer eine weit mythischere Bedeutung annehmen können als ein erster Gedanke an den Koffer nahe legt. Insbesondere die Kinderseele wird vom Koffer magisch angezogen, auch und gerade heute noch, wie der Erfolg der Siebenstein-Kinderspielfilmserie Die schönsten Koffergeschichten zeigt. Für Kinder spiegelt sich im Koffer das Motiv der verloren gegangenen und wieder gefundenen Schatzkiste, die nicht nur märchenhafte Güter enthält, sondern womöglich auch Geschichten märchenhafter Natur erzählen kann, die die Kinderseele wundersam berühren. In diesem Zusammenhang taucht auch der Gedanke auf, dass ein Koffer stellvertretend sprechen kann: Schon bei Richard v. Volkmann-Leander in seinen berühmten Träumereien an französischen Kaminen, nicht von ungefähr 1871 im Krieg in der Fremde verfasst, kann ein Koffer sprechen, enthält aber unter seiner rauen Verkleidung überdies noch eine Kiste inwendig, in der eine Märchen erzählende Prinzessin wohnt, die vom Autor als Stellvertreterin benützt wird, indem er ihr die eigentliche Autorschaft für seine Erzählungen zuschreibt, damit also auch ihrer kindlichen Seele , zu der er als Erwachsener wohl nicht so ganz stehen möchte. Dennoch wird hiermit zugleich der Gedanke bekräftigt, dass die Kinderseele Geheimnisvolles bewahrt, das weitergegeben werden muss, damit es um der Menschlichkeit des Menschen willen nicht für immer verschwindet aus der Welt. In
drei Liedern der Gesamt - CD taucht ein Koffer ganz direkt in einer ähnlich
stellvertretenden Rolle auf: Ins Sarkastische gewendet ist es in einem
in Prag verfassten Lied von Petr Ginz, der wie Ilse Weber ebenfalls in
Auschwitz umkam, das V e r b
o t des Kofferbesitzes
für jüdische Bürger unter dem Nazi-Regime, in welchem eine lange
Liste e n t m e n s c h l i
c h e n d e r Verbote
stellvertretend kulminiert. In Kleine Ruth von Jehuda Amichai
verschwindet und kehrt auf einem Flughafen-Fließband ein herrenloser
Koffer immer wieder zurück, stellvertretend für die stille Gestalt der
in Sobibor ermordeten, geliebten Kindheitsfreundin, an die der Autor
sich auf diese Weise schmerzlich erinnert fühlt. In tragischster Form
erfüllt der Koffer die Rolle des Stellvertreters indes in dem Lied von
Ilse Weber Ein Koffer spricht, das Hier leidet der Koffer unter dem Verlust seines Herrn, er leidet zugleich stellvertretend und davon sprechend, was dieser als deportierter Jude im Konzentrationslager erleidet, aber nicht mehr sagen zu können scheint: "Herr, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Und der Koffer spricht auch stellvertretend für seinen Herrn in der Form der kindlichen Hoffnung davon, dass sein Herr, obwohl er blind ist, ihn wieder finden kann. Und wenn Ilse Weber wiederum so den Koffer zum Stellvertreter machte, dann wohl deshalb, weil nur auf dieser Ebene der stellvertretenden Kinderseele unsagbares Leid gesagt werden kann - im Appell an eine Kinderseele in uns, die entgegen aller Grausamkeiten, die Menschen Menschen antun, den Mut nicht verliert. Hierin
liegt der verbindende Sinn des sprechenden Koffers, denn
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What
does someone think of when hearing the word suitcase? On a trivial level
one thinks of travelling, of a suitcase as a part of one's luggage that
contains the fundamental things needed if one is faraway, but not at
home. The suitcase in this sense is nothing special, but it is important,
and the thought can cross your mind, it could get lost. This could be
extremely inconvenient; you may become a beggar in a strange country. A
suitcase that gets lost during the return trip is bad luck, too. It
probably contained valuable souvenirs linked to the voyage, whose loss
is painful, for with them you wanted to keep your experiences that made
your heart beat faster. The
latter aspect in particular, demonstrates that suitcases can gain an
utmost mythical meaning, more than a first thought of a suitcase might
suggest. Regarding
children, the suitcase reflects the motif of a lost and retrieved
treasure chest, which does not just contain magical items, but could
also possibly tell tales of a magical nature, which miraculously touch
the soul of a child. In this context also appears the idea that a
suitcase could talk as a replacement: Already in Richard v.
Volkmann-Leanders' famous Musings at French Fireplaces - not
accidentally - written in 1871 during the war in a strange country, a
suitcase is able to speak. But under its acerb disguise it embeds a
chest in which a princess lives telling fairy-tales. The author uses her
as a substitute by transferring the intrinsic authorship of his tales to
her and her childlike soul that he, as a grown-up, does not fully
embrace. But here also, the idea is confirmed that a child's soul
preserves secrets that have to be passed on for the sake of humanity if
mankind is not to vanish from the world for good. Within
three tunes of the whole CD a suitcase appears overtly in a replacement
position similar to this. It has turned into the sarcastic in a song
that was written in In
its most tragic way the suitcase serves as a substitute in Ilse Weber's
song A Suitcase Talks, which This
is the connecting meaning of the talking suitcase, for together with her
carefully chosen songs,
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