- In Memoriam
of the grandniece of Malva Schalek
Dr. Catherine Sylvie Stodolsky (nee Ekstein)
August 26, 1938, Paris, France
January 31, 2009, Munich, Germany
Malva
Schalek was born in
Prague
on 18 February 1882, into a cultured, German-speaking Jewish family, which
came originally from
Bohemia. She was the youngest of four children. The family lived in a building
they owned, the ground floor of which was a large book shop, along with a
lending library.A music library - Musik Schalek - and a furniture store - Möbel
Schalek - were located in other parts of the city. Her grandfather Josef
and father Gustav took part in the cultural and political activities of
the Czech national movement. The bookshop served as a sort of salon for
intellectuals, an activity which did not cease even after her father’s
sudden death in 1889.It was continued by her mother, Balduine and later by her elder
sister, Olga.Several years later, her mother remarried to a distant cousin, a
medical doctor Ludwig Schnitzer, and the family moved to Hohenelbe, in the
Riesengebirge, where Malva completed her secondary school education. In
view of her outstanding artistic talent, she was sent to
Munich, where she studied art at the Frauenakademie - The Women’s Academy - with the
teachers Heymann and Thor for a year.Afterwards, she moved to
Vienna
, where she continued her art studies with the well-known woman artist
Hasek-Rosenthal. She was supported by members of her family, in particular
her uncle Carl and aunt Emma Richter, with whom she lived. Schalek’s
uncle Peppi, Joseph von Simon, an industrialist and banker who was the
brother-in-law of Johann Strauss Jr. and was very involved in the artistic
circles in
Vienna, was very proud of her artistic work, and has set up a studio for her on
the top of the building of the Theater an der Wien, which he owned.
Schalek had by this time acquired a reputation as a portrait artist - a
reputation that extended to the Sudetenland and
Prague. She spent her summers in Aussig, Türmitz and Bad Ischl, where Johann
Strauss and Joseph v. Simon had their summer house. The subjects of her
paintings were often from the middle and upper class Jewish society.
Uncle
Peppi introduced her to artists and members of high society in
Vienna, some of whom became models for her works, such as, for example, Katerina
Schratt, the mistress of Kaiser Franz Josef.The circle of acquaintances and friends also included the composers
Johann Strauss Jr. and Johannes Brahms.
After
the ‘Anschluss’, the annexation of Austria to Germany in March 1938,
which spelled the introduction of anti-Semitic laws and virulent
persecutions by the Nazis, Schalek fled Vienna, leaving behind her studio
full of works. She took along her widowed aunt, Emma Richter, whose son
Oswald, a lawyer for the Socialist Party, SPÖ, was tortured and later
murdered in
Buchenwald
for his political activities. The two women moved to Leitmoritz in
Czechoslovakia, where Malva’s brother Robert, a judge, was the head of the district
court in the region. In 1942 Malva Schalek was compelled to enter the
Theresienstadt ghetto. Despite her failing health, she was able to draw
and paint more than 100 works in which she depicted scenes of life in
Theresienstadt. These works, done in pencil, charcoal, and watercolours,
were found after the liberation of the camp by the Red Army.They are an accurate testimony to various aspects of the living
conditions in the Theresienstadt Ghetto. The art curator Tom L.
Freudenheim, Director of the Baltimore Museum of Art in 1978 and later
deputy director of the Jewish Museum in
Berlin, has referred to them as "perhaps the finest and most complete
artistic oeuvre to survive the Holocaust.” After refusing to do a
portrait of a collaborationist doctor Malva Schalek was deportet to
Auschwitz
on 18. 5. 1944 and on 24th
March 1945 perished there.
Dr. Catherine
Stodolsky
Malva
Schalek wurde in Prag am 18. Februar 1882 als Tochter einer kultivierten,
deutschsprachigen jüdischen Familie geboren, die ursprünglich aus Böhmen
stammte. Sie war die jüngste von vier Kindern. Die Familie lebte in einem
Gebäude, das sie besaßen, dessen Erdgeschoss als großes Buchgeschäft
zusammen mit einer Ausleihbibliothek diente. Eine Musik-Bibliothek - Musik
Schalek - und ein Möbelgeschäft - Möbel Schalek -befanden sich in anderen Teilen der Stadt. Ihr Großvater, Josef,
und ihr Vater, Gustav, nahmen an den kulturellen und politischen Aktivitäten
der tschechischen Nationalbewegung teil. Die Buchhandlung diente als eine
Art Salon für Intellektuelle, eine Tätigkeit, die sogar nach dem plötzlichen
Tod ihres Vaters im Jahr 1889 nicht aufhörte. Sie wurde von ihrer Mutter
Balduine und danach von ihrer älteren Schwester Olga fortgeführt.
Mehrere Jahre später heiratete ihre Mutter einen entfernten Vetter, den
Arzt Ludwig Schnitzer, und die Familie siedelte nach Hohenelbe im
Riesengebirge über, wo Malva eine höhere Schulausbildung absolvierte.
Aufgrund ihres hervorragenden künstlerischen Talentes wurde sie nach München
geschickt, wo sie Kunst an der Frauenakademie bei den Lehrern Heymann und
Thor ein Jahr lang studierte. Später zog sie nach Wien um, wo sie ihre
Kunststudien mit der wohlbekannten Künstlerin Hasek-Rosenthal fortsetzte.
Sie wurde von Mitgliedern ihrer Familie, insbesondere ihrem Onkel Carl und
ihrer Tante Emma Richter unterstützt, bei denen sie lebte.
Ihr
Onkel Peppi, Joseph von Simon, ein Industrieller und Bankier, der der
Schwager von Johann Strauss Junior und sehr involviert in die künstlerische
Kreise von Wien war, war auf ihre künstlerische Arbeit sehr stolz und
richtete für sie ein Studio auf dem Dachboden des Theaters an der Wien
ein, der ihm gehörte. Schalek machte sich zu diesem Zeitpunkt einen Namen
als Porträt-Künstlerin - ein Ruf, der bis ins Sudetenland und nach Prag
reichte. Sie verbrachte ihren Sommer in Aussig, Türmitz und Bad Ischl, wo
Johann Strauß und Joseph von Simon ihr Sommerhaus hatten. Die Themen
ihrer Bilder beschäftigten sich häufig mit der mittleren und oberen
Klasse der jüdischen Gesellschaft.
Onkel
Peppi machte sie mit den Künstlern und Mitgliedern der Highsociety in
Wien bekannt, einige von ihnen wurden Modelle für ihre Arbeiten, wie zum
Beispiel Katharina Schratt, die Burgtheater Schauspielerin und Mätresse von Kaiser Franz Josef. Zu ihrem
Bekannten- und Freundeskreis zählten auch die Komponisten Johann Strauss
Jr. und Johannes Brahms.
Nach
dem 'Anschluss', der Annexion Österreichs durch Deutschland im März
1938, die antisemitische Gesetze und heftige Verfolgungen durch die Nazis
mit sich brachte, floh Schalek aus Wien, dasmit ihren Arbeiten angefüllte Studio ließ sie zurück. Mit sich
nahm sie ihre verwitwete Tante Emma Richter, deren Sohn Oswald, ein
Rechtsanwalt für die Sozialistische Partei SPÖ, wegen seiner politischen
Tätigkeiten gefoltert und später in Buchenwald ermordet wurde. Die zwei
Frauen zogen nach Leitmoritz in der Tschechoslowakei um, wo Malvas Bruder
Robert, ein Richter, das Oberhaupt des örtlichen Landgerichtes war. 1942
wurde Malva Schalek zwangsweise ins Ghetto Theresienstadt interniert.
Trotz ihres schwachen Gesundheitszustands war sie in der Lage, dort mehr
als 100 Arbeiten zu malen, in denen sie Szenen des Lebens in
Theresienstadt zeichnete. Diese Arbeiten, angefertigt mit Bleistift,
Holzkohle und Aquarellfarben, wurden nach der Befreiung des Lagers von der
Roten Armee aufgefunden. Sie sind ein präzises Zeugnis von den
verschiedenen Aspekten der Existenzbedingungen im Ghetto Theresienstadt.
Der Kunstmuseumsdirektor Tom L. Freudenheim, 1978 Direktor des Baltimore
Museum für Kunst und danach Vizedirektor des jüdischen Museums in
Berlin, nannte die Sammlung "vielleicht das schönste und größte künstlerische
Œuvre, das den Holocaust überlebte." Nachdem sie sich weigerte,
einen Kollaborateur–Arzt zu porträtieren, wurde Malva Schalek am 18.
5. 1944 nach
Auschwitz deportiert und am 24. März 1945 dort vergast.
Übertragung
ins Deutsch: Nizza Thobi
Lisa Fittko (allias:
Elizabeth Ekstein)
*) Catherine
Stodolsky, geb. Ekstein, ist Historikerin und die Nichte von Lisa Fittko.
Geboren in Paris und aufgewachsen in der Nähe von Chicago, lebt sie seit
1973 in Deutschland und lehrt Gender History, Oral History und zur
Exilgeschichte Nazi-Deutschlands am Institut für Geschichte der
Maximilians-Universität München. Catherine Stodolsky ist Mitglied der
Familie Simon-Schalek-Ekstein und Verfasserin einer Biografie über ihre
Tante Lisa Fittko.