HANS JÜRGEN SORDES

 

 

Biographie


"Donjon" 1981


Hans Jürgen Sordes "Donjon "oder "Dort Hin"

 

 

 

 

 

geb. 1938 in Goslar, ges. 2002 in Hamburg

 

1957       Kunstgewerbeschule Basel

1958-60  Ecole des Beaux-Arts Genf

1960       Certificat Fin d'Etudes - Prix Holzer

1960-61  Staatsstipendium: Année de perfectionnement

1961-62  'Elevé libre' der Bildhauerklasse

             Freiberufliche Tätigkeit als Innenarchitekt

             Studienreisen und Beschäftigung mit theoretischen Problemen der Maltechnik  

seit 1967  Dozent für Werkkunstunterricht an der Fachhochschule und Höheren Fachschule

               für Sozialpädagogik in Hamburg und freier Maler

1973        Einzelausstellung Galerie Altschwager, Hamburg

1974        Einzelausstellung Galerie Hochhuth, Hamburg

                Einzelausstellung Galerie  Hotel Hamburg Plaza

1975        Einzelausstellung ATO's Galerie Tokio

1976        Einzelausstellung Galerie  Richard P. Hartmann, München, auf der Kunst- und      

                Antiquitätenmesse Hannover - Herrenhausen, Galerie Friedmann-Hahn Hamburg

(Bilder in Barcelona, Beirut, Dortmund, Frankfurt, Genf, Hamburg, London, Los Angeles,

Teheran, Tokio, Wiesbaden, Zürich)

 

Hans Jürgen Sordes ist ein Maler, der erst relativ spät an die Öffentlichkeit trat. Die selbstkritische Haltung und esoterische Malweise, die seine Persönlichkeit und sei Schaffen kennzeichnen, ließen ihn lange zögern, bis er vor drei Jahren zum ersten Mal ausstellte. Seitdem ist er auf dem eingeschlagenen Weg konsequent weitergeschritten, ganz in sein Werk versponnen, das sich abseits der Kunstzentren und Kunstströmungen entfaltet - in ständiger Neuentdeckung und Neugestaltung in Vergessenheit geratener Paradiese, die er als "Wiederkehr des Schönen" zu neuem entdeckt. 

Die Gemälde von Sordes unterscheiden sich von fast allem, was heutzutage gemalt und ausgestellt wird - sowohl durch ihre ikonographische Konzeption als auch durch ihre malerische Qualität. Sie führen den Betrachter in eine imaginäre Bildwelt voller Poesie, die sich im weiten surrealen Stillbereich zwischen Botticelli, Burne-Jones und Lenor Fini bewegt und dabei non einem ganz eigenem und unverwechselbaren Fluidum erfüllt wird. Und sie fesseln auch rein formal und materiell durch die altmeisterliche Akribie der zeichnerischen Struktur und des koloristischen Farbauftrags - nicht zuletzt durch eine "peinture", wie man sie gegenwärtig nur noch selten findet.

Leitthema der Bilder von Sordes sind handlungslose "Figuren-Stilleben", die von einer nostalgischen Atmosphäre zwischen Wunschtraum und Wirklichkeit erfüllt sind. Ätherische Mädchengesichter und verträumte Jünglingsgestalten beherrschen die seltsam entrückte Szene, Wissende, Suchende, Hoffende - im fließender Gestik einander zugeneigt oder ziellos melancholischem Blick in die eigene Leere versunken oder auch in facettenreichen Spiegeln eingefangen, die ihre erdachte Existenz zwielichtig reflektieren.

"Beauty is joy forever" - dieser Ausspruch des englische Dichters John Keats könnte als Motto über den jugendlichen imaginären Bildnissen von Sordes stehen, aber auch die abgründige Verse von August Graf Platen: "Wer die Schönheit angeschaut mit Augen ..."

Spiegel, Konsolen, Rahmen und Notenblätter, eine alte Lampe, ein korinthisches Kapitell, Perlenketten, Granatäpfel, Muscheln und Chrysanthemen zählen zu den Requisiten der in nuancenreichen Tönen sich darbietenden artifiziellen Welt des Malers, die zuweilen in Perlmuttglanz schimmert, zuweilen auch "von Arsenik bepudert" erscheint, um ein Wort von Jean Genet über Leonor Fini anzuwenden.

Die Grazie des florentinischen Quattrocento, die Poesie der  englischen Präraffaeliten, die Morbidität des fin de siécle, der Linienfluss des  des Jugendstils und die Abgründigkeit  des Surrealismus verschmelzen bei Sordes zu einer eigenständigen Bildwelt von paradiesischem Zauber, in der von Algabal bis Melusine, von Ganymed bis zu einer ins Gläserne entrückten Flora  oder Primavera mancherlei Anspielungen und Bezüglichkeiten zu entdecken sind.

Doch bilden die Schöpfungen von Sordes niemals "literarische" Darstellungen, wie man auf Grund der genannten Anklänge und Rückgriffe ins "Musée imaginaire" und auch im Hinblick auf die nachträglich gefundenen Bildtitel vermuten könnte. Sie sind vielmehr autonome surreale Existenzbilder, die nicht - wie zum Beispiel die Werke der englischen Präraffaeliten - auf konkreten dichterischen Vorbildern basieren, sondern als rein bildnerische Phantasien, handlungslos und nur durch Attribute gekennzeichnet, verstanden sein wollen. Ihre Aussagen sind nicht von ihren Formen zu trennen und lassen sich auch ganz ohne literarische oder poetische Bezüge aus den Dargestellten selbst ablesen oder assoziieren.

Darin sind die Bilder von Sordes moderne Schöpfungen aus dem Geiste unserer Zeit. Der Künstler selbst hat sich stets als moderner Maler verstanden uns seine Werke als "verschleierte Moderne" apostrophiert. Man könnte sie auch als Umsetzung des Visuell oder mit den inneren Auge Wahrgenommenen in rein bildnerische Harmonien bezeichnen, nicht zuletzt auch als den Versuch einer bildnerischen "recherche du temps perdu" auf neuer, gegenwartbezogener Ebene. 

Neuerdings hat Sordes auch Landschaften und Stillleben gemalt, in denen seine kompositorischen und malerischen Qualität auf neue Weise faszinierend zum Ausdruck gelangen. Auch hier bedeuten die Nuancenreichtum und die Akribie, mit denen sie verwirklicht sind, keineswegs den Versuch, alte Meister nachzuahmen, sondern vielmehr die Absicht, das Zeitgemäße zu erweitern und verlorengegangene Schönheit wiederzuwecken. Dabei kann die Vergangenheit der Gegenwart in oft überraschender Hinsicht nutzbar gemacht werden. Sordes, ein vielleicht zu spät Geborener, hat es in seinen Bildern auf überzeugende Weise getan.

Dr. Hans Theodor Flemming 1976

Kunsthistoriker und Kritiker, Prof. Dr. phil. Hanns Theodor Flemming ( 1920-2005)