| Bayreuther
erste Woche der Brüderlichkeit 1987
Zur Woche der Brüderlichkeit 1996 Gedenken an Josef Gothart 2001
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Am 29. April 1987 schrieb Josef
Gothart: Sehr geehrte Frau Thobi Zur Erinnerung an die "Woche der
Brüderlichkeit 1987 "in Bayreuth übersende ich Ihnen 5 Fotos. Ich
bedanke mich nochmals namens der IKG Bayreuth für Ihr Kommen und
hervorragenden Auftritt.
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In Bayreuth Streit um erste "Woche der Brüderlichkeit" Frankenpost, Tageszeitung für Oberfranken BAYREUTH. - Das Programm der ersten "Woche der Brüderlichkeit"
in Bayreuth steht unter keinem glücklichen Stern. Den Veranstaltern -
evangelische Kirche, jüdische Gemeinde und Jugend-Kultur- |
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Jüdischer Witz und jiddische Lieder Sonntagsblatt, von Wolfgang Lammel Bayreuth. Vor 37 Jahren war Stuttgart die erste deutsche
Stadt, in der bei einer "Woche der Brüderlichkeit" dem Gespräch
zwischen Christen und Juden neue Türen geöffnet wurden. In diesem Jahr
hat sich erstmals auch ein kleiner Trägerkreis zusammengefunden, der in
der Stadt Bayreuth mit einer eigenen Veranstaltungsreihe religions- und
dem völkerverbindenden Dialog neue Akzente verleihen will. Nizza Thobi singt Bayreuth Zum Ausklang der Woche der Brüderlichkeit singt heute
abend im Europasaal des Jugendkulturzentrums an der Äußeren Badstraße
Nizza Thobi jiddische und hebräische Lieder zur Gitarre. Regierungspräsident
Wolfgang Winkler, Schirmherr der Woche der Brüderlichkeit, und Josef
Gothart, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth, werden
zu diesem um 19.30 Uhr beginnenden Liederabend einführende Worte
sprechen. Hinterher besteht bei einem Stehbuffett Gelegenheit zum Gespräch. Bayreuther "Woche der Brüderlichkeit" endet versöhnlich Montag, 23. März 1987 Bayreuth (epd) - Die wegen ihrer Programmgestaltung
kritisierte "Woche der Brüderlichkeit in Bayreuth ist mit einem
Liederabend der israelischen Sängerin Nizza Thobi (München) versöhnlich
zu Ende gegangen. Oberfrankens Regierungspräsident Wolfgang Winkler sagte
in einer Ansprache, der sechsköpfige Trägerkreis habe "mit offenem
Herzen und unbefangen" die Begegnung zwischen Juden und Christen
vorbereitet. Dennoch habe es Irrtümer und Irritationen gegeben.
"Keiner der Veranstalter war feige und wollte sich um die
Vergangenheit drücken", sagte Winkler. Niemand zwinge Deutsche und
Juden, einander zu lieben. Es genüge, wenn beide Seiten füreinander
Verständnis hätten. Seine Generation, so meinte Winkler, sei bereit,
eine schreckliche Vergangenheit mit dem Holocaust, ohne Entschuldigung und
ohne Trotz" zu akzeptieren. Der Vorsitzende der Israelitischen
Kultusgemeinde, Josef Gothart /Bayreuth), äußerte seine Freude über die
erste "Woche der Brüderlichkeit" in Bayreuth. In Anspielung auf
das Motto der Woche "Suchet der Stadt Bestes" meinte Gothart:
"Das Beste für eine Stadt ist Frieden, Harmonie und Recht für
alle." Im Vorfeld der Veranstaltung hatte es - wie berichtet -
Befremden aufgelöst, da ein Vortrag jüdischer Sänger im Dritten Reich
nicht ins Programm aufgenommen wurde. Die Sängerin Nizza Thobi hatte
daraufhin erklärt, sie wolle nicht als "Alibi-Jüdin" in
Bayreuth auftreten. Sie stellte in diesem Zusammenhang die Frage, ob der
antisemitische Geist in Bayreuth noch lebe. Für den Trägerkreis hatten
der evangelische Pfarrer Christian Geyer, der stellvertretende Leiter des
internationalen Jugendkulturzentrums, Theo Kinstle, und Axel John von er
Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in einer gemeinsamen
Erklärung betont: "Von einer Woche der Brüderlichkeit frei von
Vergangenheitsbewältigung war nie die Rede." Woche der Brüderlichkeit ging zu Ende von Heinz-Jürgen Platthaus Bayreuth. - Mit Nachdruck hat Regierungspräsident Wolfgang Winkler bei der Abschlussveranstaltung der Woche der Brüderlichkeit in Bayreuth am Samstag abend im Jugendkulturzentrum die in der Öffentlichkeit diskutierte Meinung zurückgewiesen, dass man sich bei der ersten Veranstaltung dieser Art in Bayreuth um die Vergangenheit "herumdrücken" wolle. Unter dem Beifall der rund 300 Gäste, unter ihnen zahlreicher Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und den Kirchen, sagte Winkler, dass weder der Trägerkreis noch der Veranstalter feige gewesen seien; völlig zu Unrecht sei die Behauptung, die Vergangenheit ausklammern zu wollen, aufgestellt worden. Winkler, der die Schirmherrschaft zu dieser Veranstaltung übernommen hatte, vertrat die Auffassung, dass die Woche der Brüderlichkeit in Bayreuth noch keine Routineveranstaltung sei. Respekt zollte er dem Trägerkreis, der in gutem Glauben und mit viel gutem Willen zu einer Bürgerinitiative für diese Sache geworden sei und den die eigenen Aktivitäten fast überrollt hätten. Der Trägerkreis und alle an dieser Woche Beteiligten hätten sich dem Thema genähert, gemeinsam sei ihnen allen die positive Einstellung zu anderen Menschen und anderen Völkern. Wer sich vor der Vergangenheit drücken wolle, veranstalte keine Woche der Brüderlichkeit. In einem solchen Fall hätte er, Winkler, auch die Schirmherrschaft nicht übernommen. Das Verständnis zwischen Deutschen und Juden, so Winkler weiter, sei in den zurückliegenden Jahrhunderten schon schwierig genug gewesen. Wenn man es in den kommenden Jahren verbessern wolle, würde es nicht auslangen, dass Reisegesellschaften durch Israel fahren, um Land und Leute zu entdecken. Auch genüge es nicht, nach dem Sechs-Tage-Krieg an Hitlers Blitzkrieg zu erinnern und Beifall zu klatschen. Die Geschichte aller Betroffenen gelte es nachzuvollziehen und im gemeinsamen Dialog aufzuarbeiten. Letztlich handele es sich um eine Geschichte, die in Holocaust ihren abscheulichsten Höhepunkt erreicht hat. Detailliert schilderte Winkler danach die Geschichte der Juden und sagte, seit 40 Jahren bemühe man sich darum, die Freundschaften mit dem israelischen Volk zu beleben und dessen Standpunkte zu begreifen. Dazu brauche man aber keine ständigen Ermahnungen von außen, da seine Generation von den Erinnerungen nicht mehr loskomme, solange sie lebe. Die junge Generation sei erschüttert gewesen nach dem Holocaust-Film; sie sei für die Verbrechen nicht verantwortlich, wohl aber für die künftigen Verbindungen und Gemeinsamkeiten zwischen Deutschen und Juden. Diese Jugend dürfe sich nie mehr in den Hass hereintreiben lassen. Die Woche der Brüderlichkeit werde hoffentlich zu dem Verstehen beitragen, dass Freiheit und Toleranz wesentliche Elemente des Friedens sind. Axel John vom Trägerkreis hob in seiner Begrüßung besonders die Vielen jungen Besucher dieser Veranstaltung hervor. Nur ihnen könnte es gelingen, in einer Welt, in der Brüderlichkeit kein Fremdwort sei, Frieden zu schaffen. Josef Gothart, Vorsitzender der israelitischen Gemeinde Bayreuth, hielt eine kurze Einführung in die jiddische Sprache und erläuterte die jüdische Volkslieder, die eine lange Tradition aufzuweisen haben. Diese Lieder würden trotz Ermordung von über sechs Millionen Juden weiterleben und auch heute noch gesungen. Mit eben diesen Liedern begeisterte dann Nizza Thobi die Gäste. Sie, die ursprünglich nicht auftreten wollte, weil sie sich als "Alibi-Jüdin des äußeren Scheins wegen" fühlte, klammerte auch Titel nicht aus, deren Texte beispielsweise 1943 in Konzentrationslagern geschrieben wurden. Sie erläuterte jiddische Begriffe, übersetzte Texte ins Deutsche und zog die Gäste in den Gesang mit ein. Betroffenheit oder auch peinliches Schweigen herrschte im Saal, als Nizza Thobi den folgenden jüdischen Witz zum besten gab: "Im Getto bot ein SS-Mann einem Juden die Freilassung an, wenn dieser richtig erkenne, welches Auge des SS-Mannes ein Glasauge ist. Der Jude erkannte das Glasauge mit der Begründung, dass ihn das Auge immer so menschlich anschaue." |
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"Kein einfaches Pflaster" |
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Vor Leben bebend 6. März 1996, Nordbayerischer Kurier Die "Woche der Brüderlichkeit" hat nicht gut begonnen: Am Anfang des Konzertes von Nizza Thobi stand das Toten gedenken. Wolfgang Hammon, einer von drei Vorsitzenden der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, dem Veranstalter des Konzerts, bat das Publikum in fast vollen Kleinen Haus der Stadthalle, sich im Gedenken an die jüngsten Terroropfer in Israel zu erheben. Sie werden nicht die letzten Toten eines Volkes sein, dem in seiner 1000jährigen Geschichte immer wieder das Lebensrecht abgesprochen wurde. "Mir lebn ejbig - wir leben ewig", so war das Programm von Nizza Thobi überschrieben, wie zum Trotz. Jiddische und hebräische Lieder aus mehreren Jahrhunderten, melancholische und heitere Zeugnisse einer Kultur, die stets von der Vernichtung bedroht war, Ausdruck von Trauer und Hoffnung. Es sind geistliche ("Herr, erziehe Deinen Sklaven zu Deinem Willen") und weltliche Lieder, wie "Schön sind die Nächte in Kanaan" von Itzhak Katzenelson, der nie das Gelobte Land gesehen hat, aber von einer Liebe ebendort träumte. Der in Auschwitz ermordet wurde. "Es scheint, als passt es nicht, aber es passt", sagt Nizza Thobi. Die heute in München lebende Sängerin ist eine Jüdin wie aus dem Israel-Reiseprospekt, deren gewaltige Stimme im umgekehrten Verhältnis zu ihrer schlanken Erscheinung steht. Die hebräischen Texte, reinste Poesie bekannter und unbekannter Poeten, liest sie auf deutsch vor und lässt mit Erläuterungen und Dias das Publikum Anteil nehmen an den Schöpfern ihrer Lieder und ihren Schicksalen. Und in ihrer unkomplizierten Art stellt sie den Zuhörer sich selbst und ihre Familie vor, gibt Einblicke in eine jüdische Biographie nach dem Holocaust: Geboren in Jerusalem am Ölberg, die Mutter spanischstämmige Jüdin, der Vater in englischer Uniform, sie selbst in israelischer Uniform, Sohn David mit Geige. Die musikalische Begleitung ist sparsam, sie spielt Gitarre und wird von Elisabeth Gabler auf der Querflöte begleitet. Mit ihrer Stimme wäre sie auf gar kein Instrument angewiesen. Bei einigen Titeln wird die Klampfe zu einem besseren Perkussionsinstrument degradiert. Das Schicksal der Wilnaer Gettos, einst eines der Zentren jüdischen Lebens in Europa, steht im Mittelpunkt vieler Lieder: "Unter Deinen weißen Sternen", ein Lied, das die Widerstandskämpfer in von Deutschen umringten Getto sangen, in den Kampfpausen: "Meine Worte sind Tränen/Sie wollen rasten in Deiner Hand." Jiddisch, erläutert sie, diese Mischung aus Deutsch, Hebräisch und Slawisch, ist nicht nur eine Sprache, sondern Lebensanschauung und Weltsicht. Sie ist das "sajdn-hemdl", das Seidenhemd, in dem der Israelit aufwächst, das in sein Leben lang bedeckt und das sein Totenhemd wird. Auch das Burleske, komische, ironische hat seinen Platz in den jiddischen Liedern: So in dem vom Fuhrmann, der sein Hab und Gut vertrinkt und sich mit den Gedanken tröstet, "dass Gott ja noch da ist". Mit Animateurtalent bringt sie das Publikum dazu, sangesmässig am Tempel mitzubauen. Lebenslust, Gottvertrauen und Trauer, sie wohnen in vielen Liedern nebeneinander, in chassidischen wie Zigeunerliedern. das Kalb, das zur Schlachtbank geführt wird und sich wünscht, Flügel zu haben, das unvergleichlich gesungene Wiegenlied für ein dreijähriges Kind, das seine Mutter verlor. - Flüchtige Zeugnisse unzähliger Toter. mit Asche und Rauch in den Himmel über den Lagern geschrieben, dargeboten von einer Frau, vor Leben bebend.
"Nicht am furchbaren Ende anfangen" Bayern-SZ, 12. März 1987, von Siegfried Woldert Bayreuth (Eigener Bericht) - Die von einem "Trägerkreis" gestartete "Woche der Brüderlichkeit" im Internationalen Jugendkulturzentrum in Bayreuth bemüht sich, wie der stellvertretende Leiter des Zentrums, Theo Kinstle, betont, um einen Dialog zwischen alten und jungen Menschen, zwischen Christen und Juden. Durch den Hinweis bei der Ankündigung dieser Veranstaltungsreihe, man wolle "keine Vergangenheitsbewältigung" betreiben, waren die Organisatoren in die Schusslinie öffentlicher Kritik geraten. Ihnen war vorgehalten worden, sie scheuten die Auseinandersetzung mit den Geschehnissen während der Zeit des Nationalsozialismus. So hat, wie berichtet, der Bayreuther Schriftsteller und Bühnenautor Peer Baedecker den Veranstaltern per Einschreiben mitgeteilt, dass er seinen Vortrag "Eintausend Stimmen - ein Stern", der sich mit dem Schicksal jüdischer Sänger befassen sollte, im Bayreuther Jugendkulturzentrum "natürlich nicht halten werde". Auch die für den kommenden Samstag angekündigte israelische Sängerin Nizza Thobi, die derzeit in München lebt, äußerte sich kritisch und betonte, dass sie sich nicht als "Alibi-Jüdin" für diese Veranstaltung missbrauchen lassen wolle. Miteinander trauen Gelächter als Waffe der Hoffnung "Ich war die Nummer 46809" Langärmelige Kleider trägt Rywka Gothart gerne, auch im
Sommer. "Es muss nicht jeder meine Nummer sehen, die man mir in
Auschwitz mit schwarzer Tusche eintätowiert hat. Danach war ich nicht
mehr Rywka Gothart, sondern 46809. Wenn Erwachsene heute die Ziffer sehen,
beginnen sie zu tuscheln, Kinder halten sie erst einmal für eine
Telefonnummer." Heimat ist für sie "mit dem Herzen Israel, obwohl ich dort immer nur Touristen war. In Polen sind meine Kindheitserinnerungen. Bayreuth ist mein Zuhause, ich habe mich daran gewöhnt. Auch wenn ich hier immer auf gepackten Koffern gelebt habe." Natürlich gab es in Oberfranken neben vielen guten Freundschaften mit Nichtjuden für Rywka Gothart auch Begegnungen mit dem gewöhnlichen Antisemitismus: "Das Schlimmste für mich war, dass eines Tages eine Nachbarin zu mir kam und sagte, die KZs seien erst nach dem Krieg aufgebaut worden, um das deutsche Ansehen in den Schmutz zu ziehen, Auschwitz sei gar nicht so schlimm gewesen. 'Was reden Sie da, ich weiß es wirklich besser', fuhr ich die Frau an, mir kamen die Tränen. Aber die Dummheit und der Neid auf der Juden werden nie ganz aussterben." Umso mehr hat sie sich über das Geburtstags-Grußwort des Bayerischen Ministerpräsidenten gefreut, in dem dieser alle Schlussstrichzieher abkanzelte. Edmund Stoiber im Originalton: "Ein Glück für uns nenne ich es, Dass Sie und Ihr Mann nach allem, was Ihnen von Deutschen und im deutschen Namen angetan wurde, sich nicht abgewandt haben, sondern in Bayern die Jüdische Gemeinde Bayreuth wieder aufzubauen geholfen haben. Nur die stete Erinnerung an die Gräuel der Schoa ist das Fundament, auf dem sich Brücken über die Gräben der Vergangenheit bauen lassen." Allgemeine vom 21. Juni 2001 - von Manfred Otzelberger |
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